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Kreditmöglichkeiten - Wie KMUs die besten Kredite finden

Written by Carsten Schewer | 27.5.2026

Die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMUs) ist eine komplexe und oft zeitraubende Aufgabe, die jedoch entscheidend für den Erfolg eines jeden Betriebs ist. Von Startkapital und Betriebsmitteln bis hin zu Innovations- und Wachstumsfinanzierungen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die jeweils Vor- und Nachteile haben. In diesem Beitrag werden wir uns ausführlicher mit unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten für kleinere Unternehmen beschäftigen und hoffentlich unterschiedliche Ansätze und Ideen bereitstellen die Betrieben ein nachhaltiges Wachstum möglich machen.

Eigenkapitalfinanzierung

Bevor man direkt an Kredite denkt, lohnt es sich, die Eigenkapitalfinanzierung genauer anzuschauen. Das bedeutet im Grunde, dass man das eigene Unternehmen mit „eigenem Geld“ stärkt – sei es durch die eigenen Rücklagen, durch externe Investoren oder sogar neue Gesellschafter.

Warum ist das wichtig? Je mehr Eigenkapital man hat, desto besser steht man bei Banken da, sollte man jemals in der Zukunft einen Kredit benötigen. Denn Eigenkapital signalisiert Stabilität und macht das Unternehmen weniger riskant für Kreditgeber. Außerdem behält man so mehr Kontrolle und Flexibilität über die Finanzen.

Ein Beispiel: Man könnte sich überlegen, einen Investor ins Boot zu holen, der Kapital einbringt, aber vielleicht auch Know-how oder Kontakte. Plattformen wie Business Angels Netzwerk Deutschland helfen dabei, passende Investoren zu finden. Auch Crowdfunding kann eine spannende Möglichkeit sein, vor allem wenn das Unternehmen ein neues, innovatives Produkt an den Start bringt.

Kurz gesagt: Eigenkapital schafft eine solide Basis – und mit einem starken Fundament lassen sich andere Finanzierungsmöglichkeiten viel einfacher anpacken.

Kapitalerhöhung

Eine Kapitalerhöhung ist ein bewährter Weg, um die Eigenkapitalbasis eines Unternehmens zu stärken. Kurz gesagt: Man gibt neue Anteile aus – entweder an bestehende Gesellschafter oder neue Investoren – und holt damit frisches Geld ins Unternehmen. Klingt erstmal einfach, ist aber leider mit einigen formellen Hürden und Kosten verbunden.

Bei einer Kapitalerhöhung spielt der Due-Diligence-Prozess oft eine wichtige Rolle, vor allem, wenn neue Investoren ins Spiel kommen. „Due Diligence“ bedeutet so viel wie „gründliche Prüfung“ – und genau das passiert hier: Potenzielle Geldgeber schauen sich das Unternehmen ganz genau von allen Seiten an, bevor sie ihr Kapital investieren. Schließlich wollen sie sicher sein, dass sie alles wissen bevor sie eine ‘Risikoinvestition’ tätigen oder das das Unternehmen wirklich Potential hat. Denn nichts anderes bedeutet Investition: Man investiert Geld in ein Unternehmen, von dem man denkt, es wird Erfolg haben können.

Der Prozess umfasst in der Regel mehrere Bereiche:

  • Finanzielle Prüfung: Wie steht das Unternehmen finanziell da? Gibt es versteckte Schulden, offene Verbindlichkeiten oder finanzielle Risiken?
  • Rechtliche Prüfung: Hier wird geprüft, ob alle Verträge, Patente oder Lizenzen in Ordnung sind und keine juristischen Stolperfallen lauern.
  • Operative Prüfung: Wie laufen die Abläufe im Unternehmen? Ist die Produktion effizient? Wie steht es um Personal, Lieferketten und Prozesse?
  • Strategische Prüfung: Wo sieht man Wachstumspotenzial? Passt die Unternehmensstrategie zu den Zielen der Investoren?

Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn ein mittelständisches Unternehmen eine Kapitalerhöhung plant und sich dafür externe Investoren sucht, werden diese in der Regel Steuerunterlagen, Bilanzen, Verträge und Geschäftsberichte prüfen lassen. Das mag erstmal anstrengend klingen – und ja, der Prozess kostet Zeit und oft auch Geld. Aber er schafft Vertrauen und Transparenz zwischen dem Unternehmen und den Geldgebern.

Für das Unternehmen selbst ist der Due-Diligence-Prozess übrigens auch eine Chance: Man erkennt oft Schwachstellen, die man verbessern kann, und kommt gestärkt aus der Prüfung heraus. Wer hier gut vorbereitet ist, punktet bei Investoren und beschleunigt den gesamten Kapitalerhöhungsprozess.

Deshalb sollte man die Kapitalerhöhung gut durchplanen und frühzeitig angehen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand oft, vor allem, wenn man größere Projekte bewältigen oder in neue Bereiche investieren will. Ein solides Eigenkapital sorgt für finanzielle Stabilität und macht das Unternehmen attraktiver für Banken und Investoren.

Nehmen wir zum Beispiel an, dass ein mittelständisches Unternehmen  seine Produktion erweitern oder eine neue Produktlinie entwickeln möchte. Mit einer Kapitalerhöhung holt man sich die nötigen Mittel, ohne gleich hohe Schulden einzugehen. Gleichzeitig stärkt man die eigene Bonität – ein Pluspunkt, wenn später doch ein Kredit nötig wird.

Kurzfristige Finanzierung

Factoring

Factoring ermöglicht es Unternehmen, ihre Forderungen an einen sogenannten Factor zu verkaufen. Dieser Factor ist meistens eine Bank oder ein spezialisiertes Finanzunternehmen. Der Factor zahlt dem Unternehmen dann sofort einen Großteil der Rechnungssumme aus, oft bis zu 90 %, und kümmert sich im Anschluss darum das Geld von den Endkunden zu erhalten. 

Der Betrieb der eine kurzfristige Finanzierung über Factoring gemacht hat erhält im Gegenzug sofortige Liquidität und überlässt dem Factor die Verwaltung sowie das Risiko von Zahlungsausfällen. 

Die Vorteile des Factorings sind wie folgt:

  • Schnelle Liquidität innerhalb von 24 bis 48 Stunden
  • Entlastung der Buchhaltung durch Übernahme des Mahnwesens
  • Schutz vor Zahlungsausfällen durch Kreditausfallversicherungen

Allerdings gibt es auch Nachteile, wie bei allem. Beim Factoring müssen hier die hohen Kosten, die aus Factoring-Provisionen (0,7 bis 1,5 % des Umsatzes) und Finanzierungszinsen entstehen, erwähnt werden.

Reverse Factoring

Es gibt aber auch Reverse Factoring. Im Gegensatz zum traditionellen Factoring wird dieses Verfahren vom Kunden initiiert, der sich bereit erklärt, die Forderungen des Unternehmens frühzeitig zu begleichen. Beim Reverse Factoring ist der Endkunde oft ein großes Unternehmen, welches mit einer Bank oder einem Factor zusammenarbeitet. Dieses große Unternehmen verpflichtet sich, die Rechnungen seiner Lieferanten im Voraus zu begleichen. Und so bekommen die Lieferanten meist KMUs ihr Geld schneller und sichern ihre Cashflows. 

Die Kosten für die Finanzierung übernimmt in der Regel der Endkunde, was für KMUs besonders vorteilhaft ist. Sie erhalten schnell Liquidität, ohne Gebühren tragen zu müssen. Das Verfahren stärkt also nicht nur die Lieferantenbeziehung, sondern sorgt auch dafür, dass kleinere Unternehmen finanziell stabiler bleiben.

Ein großer Einzelhändler wie Zalando, zum Beispiel, könnte seinen Zulieferern anbieten, deren Rechnungen durch eine Bank vorzufinanzieren. Die Lieferanten bekommen das Geld innerhalb weniger Tage, und Zalando zahlt die Bank später gemäß den vereinbarten Zahlungszielen. Der Lieferant hat sofort Liquidität und kann sein Geschäft problemlos weiterführen. 

Dispositionskredit

Ein Dispositionskredit ähnelt dem klassischen Bankdarlehen, bietet jedoch mehr Flexibilität für kurzfristige Engpässe. Unternehmen sollten die Konditionen sorgfältig prüfen, da die Zinsen oft höher sind.

Crowdlending

Beim Crowdlending präsentieren Unternehmen ihre Projekte auf spezialisierten Plattformen und erhalten Kredite von einer Vielzahl privater Investoren. Diese Methode bietet Zugang zu Kapital ohne klassische Sicherheiten, ist jedoch zeitaufwendig und erfordert ein starkes Konzept.

Friends and Family

Hier wird Geld aus dem engsten Kreis geliehen. Gerade bei Neugründungen eine häufige Praxis. Diese einfache und unbürokratische Methode birgt jedoch emotionale Risiken und eignet sich nur für kleinere Summen. Für größere Summen ist es gut, das alte Sprichwort „Bei Geld hört die Liebe auf“ im Kopf zu behalten.

Mittelfristige Finanzierung

Ob es um neue Maschinen, den Ausbau eines Standorts oder die Digitalisierung von Prozessen geht – mittelfristige Finanzierungen sind ideal, um Projekte über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren zu finanzieren. Das schafft genug Spielraum, um das Geld sinnvoll einzusetzen und die Investition nach und nach zurückzuzahlen.

Mittelfristiger Bankkredit

Anders als bei kurzfristigen Krediten, bei denen man oft hohe Zinsen in Kauf nehmen muss, sind die Konditionen hier meist deutlich besser.

Natürlich ist das Ganze nicht umsonst: Neben den Zinsen fallen oft auch Bearbeitungsgebühren an, und die Bank will meist Sicherheiten sehen – zum Beispiel Maschinen, Immobilien oder andere Vermögenswerte, die im Notfall als Pfand dienen.

Ein klassisches Beispiel: Ein Handwerksbetrieb braucht neue Maschinen, um die Produktion zu erweitern. Statt die hohen Kosten auf einmal zu stemmen, nimmt er einen mittelfristigen Kredit auf und zahlt diesen in überschaubaren Raten zurück. Die Maschinen werfen schnell Erträge ab, und der Kredit ist nach ein paar Jahren abbezahlt – ohne dass der Betrieb grössere finanzielle Herausforderungen bekommt. 

Mittelfristiges Crowdlending

Bei dieser Form des Crowdlendings muss man noch mehr ins Detail gehen, wenn es darum geht, das eigene Projekt vorzustellen. Hier reicht es nicht, einfach nur grob zu skizzieren, was man vorhat – man muss die potenziellen Geldgeber wirklich überzeugen. Zahlen, Fakten und eine klare Vision sind gefragt: Was genau wird finanziert? Wie sieht der Zeitplan aus? Und vor allem: Wie wird das Ganze am Ende Geld abwerfen?

Diese Art der Finanzierung bietet in der Regel längere Laufzeiten als klassische Crowdlending-Modelle. Das heißt, man hat mehr Zeit, um das geliehene Geld zurückzuzahlen und kann größere, länger angesetzte Projekte in Angriff nehmen.

KfW-Förderkredite

Dann gibt es auch noch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), sie unterstützt Unternehmen mit zinsgünstigen Darlehen für Projekte in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Um einen KfW-Kredit zu erhalten, ist eine umfassende Vorbereitung erforderlich, einschließlich eines detaillierten Geschäftsplans.

Leasing

Leasing ist wie ein Mietvertrag für Dinge, die ein Unternehmen braucht – sei es ein Firmenwagen, Maschinen oder IT-Ausstattung. Anstatt viel Geld auf einmal auszugeben, zahlt man eine monatliche Rate und nutzt das Objekt, ohne es direkt zu besitzen, eben genau wie bei einem Auto. Das schont die Liquidität und lässt genug Spielraum für andere Investitionen. Beim Leasing gibt es zwei unterschiedliche Optionen: Leasing mit Kaufoption und Finanzierungsleasing.

Leasing mit Kaufoption

Leasing ermöglicht es Unternehmen, Wirtschaftsgüter wie Maschinen oder Fahrzeuge zu nutzen, ohne diese sofort erwerben zu müssen. Nach Ablauf des Vertrags kann das Unternehmen die Güter übernehmen, zurückgeben oder den Vertrag verlängern. Leasing schont die Liquidität und bietet steuerliche Vorteile.

Finanzierungsleasing

Beim Finanzierungsleasing bleibt das Eigentum dauerhaft beim Leasinggeber. Diese Methode eignet sich für Unternehmen, die langfristig planen und Flexibilität bei der Nutzung von Wirtschaftsgütern benötigen.

Wachstumsfinanzierung

Dieser Bereich der Finanzierungen wird meist in der Startup-Branche angesiedelt. Könnte sich aber durchaus auch auf andere Bereiche beziehen. Wachstumsfinanzierungen sind dafür da, dem Unternehmen beim, sagenumwobenen, Skalieren zu helfen. Hier gibt es klassische  Venture-Capital-Investoren , die Kapital und strategische Unterstützung bieten. Aber Unternehmen müssen jedoch Anteile abgeben und sollten sich auf enge Zusammenarbeit mit den Investoren einstellen. Und sicher sein, dass sie weiterhin die Mehrheit der Anteile behalten.

Dann gibt es auch noch die sogenannten Business Angels. Diese erfahrenen Investoren bringen nicht nur Kapital, sondern auch Know-how und Netzwerke ein. Sie eignen sich besonders für frühe Wachstumsphasen.

Und letztlich gibt es steuerliche Förderungen, die Forschungs-und Entwicklungszulage (FZulG). Diese steuerliche Förderung richtet sich an Unternehmen, die in Innovationen investieren. Die Zulage wird direkt auf die Lohnkosten für F&E-Mitarbeiter angerechnet.

Subventionen und Zuschüsse

Letztlich bestehen auch unterschiedliche Subventionen und Zuschussmöglichkeiten für Unternehmen und Betriebe, je nach Branche und Art. Es gibt zum Beispiel häufig nationale Förderprogramme, die Unternehmensgründungen mit finanziellen Hilfen, die oft nicht zurückgezahlt werden müssen unterstützen.

Oder Unternehmen schaffen es, eine breite Öffentlichkeit mit Ihrer Idee zu überzeugen. Hier sind wir im Bereich Crowdfunding. Wo eine grössere Menge an Leuten kleine Beträge spendet und dafür unterschiedliche Gegenleistungen bekommen kann. 

Erfolgsfaktoren bei der richtigen Auswahl der Finanzierung

  1. Transparente Finanzplanung: Eine detaillierte Darstellung der finanziellen Situation und klar definierte Ziele sind entscheidend.
  2. Bonität optimieren: Eine gute Bonität ermöglicht günstigere Konditionen.
  3. Professionelle Beratung: Experten können helfen, die beste Finanzierungsoption zu finden.
  4. Flexibilität bewahren: Kombinationen verschiedener Finanzierungsarten minimieren Risiken.

Die Wahl der richtigen Finanzierung erfordert eine umfassende Analyse und strategische Planung. Unternehmer sollten alle Optionen prüfen, die Bedingungen verstehen und sich bei Bedarf professionelle Unterstützung suchen. Mit einer klaren Strategie und den passenden Partnern können KMUs ihre Ziele erfolgreich erreichen und nachhaltig wachsen.