Es kriselt in der Wirtschaft – Die wirtschaftliche Situation in Deutschland und ihre Bedeutung für KMU
- 5 Min.
- Carsten Schewer
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist momentan alles andere als rosig. Kriege, Krisen und jede Menge Unsicherheiten – da hat der Mittelstand ordentlich zu kämpfen. Nehmen wir den Krieg in der Ukraine: Der hat nicht nur die Energiepreise durch die Decke gehen lassen, sondern auch die Rohstoffmärkte durcheinandergewirbelt. Dazu kam die Corona-Pandemie, die viele Unternehmen erstmal mehr oder weniger auf Eis gelegt hat. Und als ob das nicht ausreicht, setzen die Energiekrise und hohe Inflation weiterhin noch einen oben drauf.
Aber es sind nicht nur die großen Schocks von außen. Auch Probleme im eigenen Land machen den Firmen zu schaffen. Stichwort: Fachkräftemangel. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen in Deutschland aktuell mehr als 630.000 Arbeitskräfte – vom Handwerker bis zur Pflegekraft. Für viele Unternehmen bedeutet das: Aufträge bleiben liegen, einfach weil niemand da ist, der sie bearbeiten kann. Und dann noch die Lieferkettenprobleme – wer einmal versucht hat, rechtzeitig an Bauteile oder Rohstoffe zu kommen, weiß, wie herausfordernd das mitunter sein kann.
Und selbst bei den großen Akteuren gibt es Probleme. Das prominenteste Beispiel in jüngster Zeit ist wohl Volkswagen. Volkswagen hat vor Kurzem angekündigt, Werke schließen zu wollen, weil sich die Produktion in Deutschland nicht mehr lohnt.
Solche Meldungen lassen die Alarmglocken schrillen, nicht nur in der Industrie, sondern auch bei kleinen Unternehmen, die oft eng mit solchen Großkonzernen verknüpft sind. Fällt ein Großkunde aus, kann das für Zulieferer zur Existenzfrage werden.
Aber was bedeutet das alles für kleine Unternehmen, und wie können sie in diesem schwierigen Umfeld überleben – oder sogar wachsen? Es gibt nicht die eine Lösung, aber unterschiedliche Ansätze, wie die stärkere Digitalisierung, alternative Finanzierungsmodelle oder das Erschließen neuer Märkte, helfen könnten.
Einem Stimmungsbarometer der VR Smart Finanz zufolge bewerten gerade kleine Unternehmen ihre aktuelle Lage schlechter als ihre Zukunftsaussichten.
Herausforderungen für kleine Unternehmen
Die vielen kleinen Unternehmen, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, befinden sich im Dauerkrisenmodus. Sie sehen sich mit verschiedenen Problemen konfrontiert:
- Strategiekrisen: Diese entstehen durch unzureichende oder unpassende Geschäftsstrategien, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.
- Ertragskrisen: Sinkende Gewinne, verursacht durch Marktveränderungen, steigende Kosten oder interne Ineffizienzen.
- Liquiditätskrisen: Ein Mangel an finanziellen Mitteln, der die Zahlungsfähigkeit bedroht.
Strategien zur Krisenbewältigung
Markt-und Kundenanalyse
Der erste Schritt ist, sich genau anzuschauen, was der Markt und die Kunden eigentlich wollen, damit man die Produkte und Dienstleistungen besser auf ihre Bedürfnisse zuschneiden kann.
Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) heißt das: Es ist Zeit, die eigenen Angebote mal ehrlich unter die Lupe zu nehmen und sich zu fragen, welche Produkte oder Services laufen wirklich gut? Wo ist noch Potenzial? Und wo verschwendet man vielleicht nur Zeit und Geld.
Ein Beispiel dazu: Stellen wir uns vor, wir sind Betreiber eines Online-Shops für Outdoor-Ausrüstung und wir stellen fest, dass Rucksäcke sich mehr oder weniger wie geschnittenes Brot verkaufen. Aber gleichzeitig könnte es so sein, dass Campingzelte überhaupt nicht laufen.
Daraus könnte man Schlüsse ziehen, dass es an der Zeit wäre, das Rucksack-Sortiment zu erweitern, vielleicht mit nachhaltig produzierten Modellen.
Gleichzeitig hieße das aber auch nicht, dass man Ladenhüter wie die Zelte komplett aus dem Sortiment nehmen muss. Vielleicht könnten diese anders vermarktet werden.
Eine gute Analyse hilft oft, mit weniger Aufwand mehr rauszuholen. Ein nützliches Tool dafür ist zum Beispiel eine ABC-Analyse, mit der man schauen kann, welche Produkte die meisten Einnahmen bringen.
Eine detaillierte Analyse des Marktes und der Kundenbedürfnisse kann helfen, Produkte und Dienstleistungen besser auszurichten. Unternehmen sollten bestehende Angebotspaletten kritisch hinterfragen und sich auf profitablere oder wachstumsstarke Bereiche fokussieren.
Effizienzsteigerung
Mit ein paar gezielten Effizienzmaßnahmen kann man im Unternehmen jede Menge Kosten sparen. Zum Beispiel lässt sich durch die Automatisierung von Prozessen einiges an Zeit und Aufwand reduzieren, während eine optimierte Lieferkette dazu beiträgt, unnötige Ausgaben und Verzögerungen zu vermeiden.
Ein Ansatz, der sich besonders bewährt hat, ist Lean Management. Damit kann man Verschwendung in allen möglichen Bereichen sichtbar machen und minimieren – sei es überflüssige Arbeitsschritte, unnötige Lagerbestände oder sogar Energieverbrauch. Gleichzeitig schafft man so mehr Freiraum für die Dinge, die wirklich Ertrag bringe
Auch in der Lieferkette kann man oft viel sparen. Wenn man beispielsweise regionale Zulieferer ins Boot holt, senkt man die Transportkosten und wird weniger anfällig für globale Lieferengpässe. Gleichzeitig lassen sich die Prozesse mit Tools wie SAP Ariba oder ähnlichen Plattformen deutlich transparenter und effizienter gestalten.
Kurz gesagt: Mit gezielten Optimierungsmaßnahmen und Tools sorgt man dafür, dass alles besser läuft – und hat am Ende weniger Stress und mehr Ertrag.
Diversifizierung
Wenn man ein breiteres Produktportfolio anbietet oder in neue Märkte eintritt, kann man Abhängigkeiten reduzieren und Risiken besser verteilen. Gerade in unsicheren Zeiten sorgt das dafür, dass die Einnahmen stabiler bleiben und man sich nicht nur auf eine einzige Einnahmequelle verlassen muss.
Wenn wir uns ein Beispiel aus dem Dienstleistungsbereich anschauen, könnten wir zum Beispiel ein Cateringunternehmen nehmen. Welches neben Hochzeiten auch Business-Events oder private Veranstaltungen bedienen könnte und damit eine breitere Kundenbasis hätte.
Maßnahmen gegen Liquiditätsprobleme
Liquiditätskrisen stellen eine akute Bedrohung dar, erfordern jedoch andere Lösungsansätze:
- Kostenreduktion: Optimierung von Energieverbrauch, Minimierung von Leerlaufzeiten und Vermeidung von Überstunden helfen, unnötige Ausgaben einzusparen.
- Finanzierungsoptionen nutzen: Kredite, Factoring oder Leasing können kurzfristig die finanzielle Flexibilität erhöhen. Dabei ist eine gründliche Prüfung der Finanzierungsmöglichkeiten essenziell.
- Restrukturierungsmaßnahmen: Die Verkleinerung von Betriebsstrukturen, Schließung unrentabler Geschäftsbereiche oder Umstrukturierung interner Prozesse können langfristig Stabilität schaffen.
Ein wichtiger Punkt hier ist auch, sich einen klaren Überblick über die Liquidität des Unternehmens heute sowie in der Zukunft zu verschaffen.
Die wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland stellt vor allem kleinere Unternehmen vor große Herausforderungen. Aber es gibt Wege, sich besser darauf einzustellen. Mit einer klugen Strategie, effizienteren Abläufen und einem klaren Plan, was die Finanzen angeht, kann man als Unternehmen widerstandsfähiger werden.
Wichtig ist, nicht zu lange abzuwarten, sondern frühzeitig die richtigen Schritte einzuleiten, um auch in schwierigen Zeiten konkurrenzfähig zu bleiben.
Über den Autor:
Carsten Schewer
Carsten Schewer ist der CEO und Co-Founder von VR Smart Guide. Mit seiner langjährigen Erfahrung in Prozessen und Technologien rund um verschiedene Finanzprodukte für kleine Betriebe ist er immer auf der Suche nach der besten Lösung für die jeweilige Kundensituation.